Die Jubiläums-Orgel

Als krönenden Abschluss einer über zehn Jahre dauernden Kirchenmodernisierung stellte 1892 der Freiburger Orgelbaumeister August Merklin die Orgel auf, die nun seit hundert Jahren im Gottesdienst ihre Stimmen erklingen lässt. Dafür musste damals der respektable Preis von 4300 Mark aufgewendet werden. Das Fahrnis-Verzeichnis der Kirche von 1900 vermerkt, daß die neue Orgel "mit 13 Registern und einem Spieltisch" Eigentum des Kirchenfonds sei.
Der Orgelbaumeister August Merklin (1860 - 1940), in Freiburg geboren und gestorben, war letzter Namensträger einer verzweigten, tüchtigen Orgelbauersippe. Sein Vater Fridolin machte ihn 1883 zum Geschäftsteilhaber. 1899 übernahm August Merklin die Geschäftsleitung der Orgelbauanstalt ganz. Mit Aufenthalten bei dem verwandten Orgelbaumeister Josef Merklin II in Brüssel, Paris und Lyon hatte er sich auf das selbstständige Arbeiten vorbereitet. Von 1904 bis 1907 unterhielt August Merklin bis zur Brandstiftung einen Zweigbetrieb in Rorschach. Die Jahre 1920 bis 1925 verbrachte er überwiegend bei seinem Sohn Albert in Madrid. Im letzten Jahrzehnt seines Lebens betreute August Merklin nur noch seine vorhandenen Orgelwerke. Die Akten bestätigen, dass er als junger Orgelbaumeister mit 32 Jahren die Waltershofener Orgel gebaut hat. Sie ist als Instrument heute eine Kostbarkeit. Nicht mehr allzu viele Orgeln mit mechanischer Register- und Spieltraktur und Kegelladen sind erhalten geblieben. Die Klangeigenschaften entsprechen dem Orgelideal des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Orgelkompositionen jener Zeit können authentisch gespielt werden.
Disposition der August-Merklin-Orgel (1892)
I. Manual C - f''' (54 Töne)
Bourdon 16'
Principal 8'
Flöte 8'
Gamba 8'
Rohrflöte 4'
Oktave 4'
Mixtur 2 2/3' 3+4-fach
II. Manual C - f'''
Lieblich gedeckt 8'
Salicional 8'
Aeoline 8'
Traversflöte 4'
Pedal C - d' (27 Töne)
Subbass 16'
Violonbass 16'
Calcant als Registerzug
Coppelung II/I
Coppelung II/Pedal
Coppelung I/Pedal
Kombinationstritte
Piano: 3 / 10 / 12
Forte: 3, 4/8, 9, 10/12, 13
Tutti: 1, 2, 3, 4, 5/8, 9, 10, 11/12, 13/15, 17
Insgesamt 798 Pfeifen aus Zinn und Holz
Technische Einrichtungen:
Freistehender Spieltisch mit Blickrichtung des Organisten zum Hochaltar.
Windladensystem: Kegelladen - Spielwind über 230 Volt-Gebläsemotor oder
von Hand über einen Schöpferbalg.
1981 Reparatur der Orgel durch Orgelbaufirma Späth, March-Hugstetten
1992 Generalreinigung und Instandsetzungsarbeiten durch Waldkircher Orgelbau Jäger & Brommer, Waldkirch im Breisgau