Drei positive Erfahrungen möchte ich aufzählen, die ich mit der Beichte gemacht habe.
Die erste Erfahrung ist die Hilfe des Rhythmus. Ich gehöre auch zu jenen Menschen, die jahrelang entweder gar nicht oder nur sporadisch - zu Weihnachten und Ostern oder ähnlichen Anlässen -gebeichtet haben. Nachdem mir dieser disziplinlose und rein den Stimmungen ausgelieferte Zustand immer unerträglicher wurde, versuche ich jetzt, in einem Rhythmus von sechs bis acht Wochen, mit Terminabsprache, Vor- und Nachbereitung zu beichten. Wenn auch damit kein Problem verschwindet oder gelöst ist, so erfahre ich doch diesen Rhythmus als Stütze und Hilfe, um nicht ausschließlich der Stimmung unterworfen zu sein, ob ich beichten mag oder nicht (Diese Stimmung bleibt sowieso stark genug!).
Eine zweite wichtige Erfahrung ist für mich, daß mir der Vorgang der Reue etwas klarer geworden ist. Tränen und Gefühle der Reue - geboren meist aus der Enttäuschung über sich selbst - sind direkt im Anschluß an ein großes Versagen möglich und wirklich. Bei der Beichtvorbereitung habe ich die Reue neu entdeckt als diesen einfachen, etwas länger verweilenden Blick auf die Person Jesu Christi; also als bewußte Hinwendung und Umkehr zu ihm. Natürlich ist dabei das Schauen auf ein Kreuz besonders beeindruckend. Die Reue ist bei mir jetzt zwar auch nicht »gefühllos«, aber sie ist keine Stimmungssache, sondern ein Akt der Zuwendung zu Jesus.
Schließlich gibt es für mich - und das ist die dritte positive Erfahrung mit der Beichte - wirklich das Gefühl der Befreiung. Gerade wenn Abhängigkeiten, Triebe und Angstzustände, verbunden mit dem Gefühl »es ändert sich ja doch nichts, es bleibt alles beim alten« besonders bedrohend werden, erlebe ich die Beichte als Ereignis, nach dem ich befreit durch die Straßen der Stadt gehe, innerlich leicht voll neuen Mutes, aktiv Kinder, Familie und Alltagsanforderungen mit mehr Ruhe und Gelassenheit angehend. Vergebung ist für mich wirklich jedes Mal ein neuer Beginn. Gott sei Dank, daß er möglich ist!