Seelsorge / Pfarreien

Liturgische Formen der Sündenvergebung

Sünde ist nie nur Privatsache, nie nur eine Sache, die allein zwischen dem Menschen und Gott abzumachen wäre; denn kein Mensch kann so isoliert leben, daß er nicht wenigstens geistig in die menschliche Gesellschaft eingebunden bliebe. Wir wissen heute, böse, haßerfüllte Gedanken sind Mächte, sind »Strahlungen«, die sich negativ auf die Mitmenschen auswirken. Das gilt in besonderer Weise für die Christen, da sie Glieder am Leib Christi sind (vgl. 1 Kor 12,12-27). Ein krankes Körperorgan zieht immer den ganzen Leib in Mitleidenschaft. So wird verständlich, warum Buße und Vergebung einen besonderen Ort in den gottesdienstlichen Versammlungen der Christen haben, vor allem in der Feier der Eucharistie oder in einem eigenen, zu diesem Zweck gefeierten Gottesdienst (Bußgottesdienst). Die wichtigste liturgische Form der Sündenvergebung ist das Bußsakrament. In der sakramentalen Versöhnungsfeier (Beichte) spricht Jesus unmittelbar den einzelnen an, wie er es einst beim Gelähmten im Hause von Kafarnaum getan hat: »Deine Sünden sind dir vergeben« (Mk 2,5). Eine solche persönliche Begegnung mit Christus kommt unserer menschlichen Natur sehr entgegen; denn sie schenkt uns das sichere Bewußtsein, von Gott, der die Liebe ist, auch in unserer Sündhaftigkeit angenommen zu sein. So sehr dieser Vorgang im Raum des Beichtgeheimnisses bleibt, ist er doch nicht »privat«, sondern »öffentlich«, da der Priester stellvertretend für die Kirche handelt.
 
Buße und Vergebung in der Eucharistiefeier
Das allgemeine Schuldbekenntnis am Anfang der Meßfeier nimmt in den Worten »ich bekenne... allen Brüdern und Schwestern, daß ich Gutes unterlassen und Böses getan habe« die soziale Seite der Sünde ernst. Jeder wendet sich an jeden und bittet, für ihn vor Gott einzutreten: »Darum bitte ich euch, Brüder und Schwestern, für mich zu beten bei Gott, unserem Herrn.« Auch das Hören des Wortes Gottes hat sündentilgende Kraft. So spricht der Priester nach dem Evangelium: »Herr, durch dein Evangelium nimm hinweg unsere Sünden.« Damit wir am Mahl des Herrn nicht unbußfertig teilnehmen, wird im »Vater unser« noch einmal die Bitte um Vergebung ausgesprochen und die Bereitschaft, selbst zu vergeben, bekundet: »Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.« Vielfach werden diese Worte durch ein sichtbares Zeichen der Zuwendung und Versöhnung, den Friedensgruß, unterstrichen. Und dann bekräftigen wir unser Vertrauen auf die vergebende Güte des Herrn mit dem Ruf: »Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt« und mit dem Gebet »Herr, ich bin nicht würdig, daß du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.«
 
Der Bußgottesdienst
Der Bußgottesdienst vertieft und entfaltet den Vorgang von Buße und Vergebung. Er macht deutlich, daß die Umkehr und die Hinwendung zu Gott nicht nur für den einzelnen, sondern auch für die Gemeinschaft notwendig sind, weil auch die Gemeinschaft dem Mitmenschen gegenüber oft versagt. Im Bußgottesdienst empfangen wir Anleitung zu einer vertieften Gewissenserforschung. Nicht selten entdecken wir dabei Lebensbereiche, die wir vielleicht noch nie mit Gott und seiner Ordnung in Beziehung gebracht haben. Im Bußgottesdienst hören wir die Worte Jesu, durch die wir gleichsam aus »erster Hand« die Botschaft vom verzeihenden Vater im Himmel vernehmen. »Im Himmel wird mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren« (Lk 15,7). Besonders zu den Bußzeiten des Kirchenjahres, im Advent und in der Fastenzeit, hat der Bußgottesdienst seinen festen Platz im Leben der Pfarrgemeinde.

Die Feier des Bußsakramentes (Beichte)
»Unter den liturgischen Formen der Buße und Sündenvergebung nimmt das Bußsakrament eine hervorragende Stellung ein. Im Auftrag der Kirche wird dem, der umkehrt, durch den Priester in der Vollmacht Christi im wahrnehmbaren Zeichen Versöhnung geschenkt. Für dieGläubigen, die sich in schwerer Sünde von Gott getrennt haben, bleiben das persönliche Bekenntnis und die persönliche Lossprechung die einzige ordentliche Weise, in der Kirche Versöhnung mit Gott zu finden. Aber auch denen, die sich keiner schweren Sünde bewußt sind, empfiehlt die Kirche, in Zeitabständen, in denen das eigene Leben noch überschaubar ist, das Bußsakrament zu empfangen. Darin kommt zum Ausdruck, daß jeder Gläubige immer neu der Vergebung und der Hilfe bedarf, die ihm im Bußsakrament geschenkt wird.« (Synodenbeschluß »Schwerpunkte heutiger Sakramentenpastoral« 4,3)
Wer heute zur Beichte geht - ob in den Beichtstuhl oder in ein Beichtzimmer -, wird feststellen: Der Ritus des Sakramentes ist gegenüber früher in mancher Hinsicht verändert. Die deutsche Sprache, neue Gebete und Zeichen - manche davon als Vorschlag angeboten - machen die Beichte verständlicher und persönlicher.
  • Der Priester begrüßt zunächst den Beichtenden und lädt ihn gegebenenfalls nach dem Kreuzzeichen durch ein paar freundliche Worte zum Bekenntnis ein.
  • Das Bekenntnis soll ehrlich und persönlich sein. Eine Hilfe dazu ist, wenn der Beichtende von seiner Situation und seiner Schuld erzählt. So werden für den Beichtenden und für den Priester auch Hintergrunde und Ursachen für die Sünden und Fehler eher offenbar. Wenn nötig, hilft der Priester beim Bekenntnis.
  • Der Priester kann wahrend der Lossprechungs-worte seine Hände (oder seine Hand) über den Beichtenden ausbreiten - ähnlich dem feierlichen Schlußsegen bei der Messe. In den Lossprechungsworten wird deutlich, daß der Priester im Namen und im Dienst der Kirche, also im Namen der größeren, glaubenden Gemeinschaft handelt.
Die Beichte fuhrt zur Erneuerung und Vertiefung der Gemeinschaft mit Gott. Seine Vergebung, seinen Trost und sein Aufrichten erfährt der Beichtende als große Lebenshilfe. Im Gebet und im Lobpreis dankt er Gott dafür.
 
 
 
 
 


Info

 
Beichtgelegenheiten
(Auswahl)
 
 
Freiburger Münster:
täglich 7.30 Uhr
Samstag 16-18 Uhr
 
St. Martin:
Mittwoch 13-14 Uhr
Samstag 15-17.30 Uhr
Sonntag  8.50-9.20 Uhr
Herz-Jesu-Freitag 13-14 Uhr
 
St. Johann:
Samstag 15-16 Uhr
 
Beichtgespräch im Pfarrhaus:
Sa. 17-18 Uhr u.n.Vereinbarung
 
Franziskanerkloster
Günterstalstr. 59:
wochentags 9-11 Uhr
u.n. Vereinbarung