
Die Orgeln des Freiburger MünstersGeschichte der Orgeln im Freiburger Münster
Ab dem 15. Jahrhundert wird im Münster von einer Orgel an der nördlichen Langschiffwand berichtet. 1545-1548 wurde an dieser Stelle eine neue Orgel von Jörg Ebert aus Ravensburg erstellt, der auch in Überlingen, Ottobeuren, Innsbruck und Prag baute. Seine Orgel von 1558 in der Hofkirche zu Innsbruck, die in ihrem äußeren seiner Freiburger Orgel ähnelt, ist erhalten und vorzüglich restauriert. Das Gehäuse und wohl auch ein Teil des Pfeifenwerks der Freiburger Orgel bestanden im wesentlichen bis 1929. Auf dem Lettner, der Schiff und Chorraum trennte und um 1790 in zwei Teilen an der Nord- und Südwand der Vierung aufgestellt wurde, stand ein Positiv. Ende des 16. Jahrhundert kann eine Orgel im Chor nachgewiesen werden, die 1708 und 1813 neu gebaut wurde, ebenso 1881 durch E. F. Walcker aus Ludwigsburg. Zum Katholikentag 1929 wurde ein großes Orgelwerk im Münster erstellt und dazu das Gehäuse der Langschifforgel gewaltig vergrößert, sodaß es weit in das Langhaus hineinragte. 1936 wurde die Situation bereinigt, die Langschifforgel wieder etwa in die alten Maßverhältnisse zurückgeführt und mit einem neobarocken Werk gefüllt. Das große Orgelwerk wurde als „Hauptorgel“ hinter einen Freipfeifen-Prospekt auf den Lettner in die nördliche Vierung versetzt. Was an Pfeifenwerk übrigblieb, wurde als eine Begleitorgel für den Chor auf die Michaelsempore gestellt. Dort stand zudem ein Hochdruckwerk. Zu spielen war die ganze Anlage über einen zentralen Hauptspieltisch im Chorraum. Man war der Meinung, für den Volksgesang und die Füllung des Münsters mit Orgelklang ein Rezept gefunden zu haben, hatte aber außer acht gelassen, daß die unterschiedliche zeitliche Verzögerung des Klanges zu Überschneidungen, Undeutlichkeit und Verwirrung führte. Nach Kriegsschäden wurde die Orgelanlage zunehmend störanfällig. So fiel der Entschluß zu einem Neubau zu Beginn der 60er Jahre. Da man sich an die Situation mit den vier über den ganzen Raum verteilten Orgeln und einem zentralen Hauptspieltisch gewöhnt hatte, sollte die Erneuerung an den Tradition gewordenen Plätzen 1963-65 erfolgen. Die Langschifforgel erhielt anhand älterer Abbildungen in etwa die Umrisse der Ebert-Orgel von 1545. Darin wurde eine Orgel mit mechanischer Traktur nach barocker Klangvorstellung von Marcussen in Apenrade/Dänemark eingebaut. Sie kam nach alter Tradition an die für die Hörsamkeit günstigste Stelle. Die Chororgel wurde damals in die Nordwand des Chores ohne mechanischen Spieltisch eingefügt. Bei der Renovierung 1990 wurde sie auf die gegenüberliegende Empore in ein neues Gehäuse der Firma Fischer+Krämer, Endingen, verlegt. Auf die Michaelsempore kam von der Orgelbaufirma Gebr. Späth, Ennetach / Freiburg ein neues Werk hinter einen vorhandenen Prospekt, der einen Teil des 1929 erweiterten Gehäuses der Langschifforgel darstellt. Diese Michaelorgel wurde 2008 durch die Firma Metzler-Orgelbau, CH-Dietikon, neu erbaut. Dabei wurden die denkmalgeschützten Teile des Gehäuses von 1929 integriert. Marienorgel im Nördlichen Seitenschiff (Rieger, A-Schwarzach 1965; renoviert durch Glatter-Götz, Owingen und Beat Grenacher, Goll, Luzern, 2001) IV+P / 62
Im Jahr 2008 wurden die Pfeifen des Untersatz 32' umgearbeitet, auf neue Windladen gestellt und neu intoniert. Sie sind nun Bestandteil der Michaelsorgel und nicht mehr von der Marienorgel aus spielbar.
Die Registerbezeichnungen in den folgenden Dispositionen entsprechen der Schreibweise am jeweiligen Spieltisch.
Disposition der Marienorgel
Koppeln der mechanischen Spielanlage: I/II, III/II, II/P, I/P
6 mechanische Setzerkombinationen
Mechanische Schleifladen, vom Hauptspieltisch auch elektrisch anspielbar.
Langschifforgel („Schwalbennest“) an der nördlichen Langschiffwand
(Marcussen und Søn, Apenrade/Dänemark, 1965; renoviert durch die Metzler Orgelbau AG, CH-Dietikon, 2010) II+P / 21 Rohraffe 1530, Sixt von Staufen Marienstatue 1545, Sixt von Staufen, neue Strahlenmandorla und Fassung 1929
Koppeln der mechanischen Spielanlage: I/II, II/P, I/P, I/P 4' Mechanische Schleifladen, vom Hauptspieltisch auch elektrisch anspielbar. (Metzler Orgelbau AG, CH-Dietikon 2008) III+P / 36 (+ 4 Transmissionen, + 1 Einzelzug) Nachdem die stark vergrößerte Langschifforgel von 1929 klanglich im Raum nicht überzeugen konnte, verlegte man Teile des Prospekts und des Pfeifenwerks 1936 in die Turmkapelle, der sogenannten Michaelskapelle. Seit dieser Zeit steht also eine Michaelsorgel an dieser Stelle. Nach Kriegsschäden wurde 1965 durch die Firma Späth / Ennetach und Freiburg eine Orgel mit 28 klingenden Registern unter Verwendung von Teilen des Prospektes von 1929 erbaut.
Der Michaelsorgel kommt die wichtige Aufgabe zu, den hinteren
Bereich des Münsters zu beschallen, außerdem wirkt sie bei
entsprechenden Anlässen mit Chor und Orchester zusammen, je nachdem als
Begleit- oder als Soloinstrument.
Die aktuelle Michaelsorgel wurde im Jahr 2008 durch die Firma Metzler-Orgelbau AG, CH-Dietikon, neu erbaut. Das alte Instrument von 1965 wurde ersetzt, da es technisch und klanglich nicht mehr genügte. Es bestanden einige konstruktionsbedingte Mängel, welche nicht durch eine Renovation zu beheben gewesen wären.
Das neue Instrument besitzt 36 klingende Register, einen Einzelzug und vier Transmissionen auf 3 Manualen und Pedal. Die Traktur ist mechanisch, die Registertraktur und die Koppeln elektrisch. Die Michaelsorgel kann im Ensemble mit den anderen Münsterorgeln vom Hauptspieltisch aus elektrisch angespielt werden. Erstmals hat die Michaelsorgel nun ein massives Gehäuse aus unbehandelter Eiche. Die vorhandenen Schnitzereien („Schleierbretter“) und die Engelsfiguren wurden sorgfältig gereinigt, restauriert und wieder integriert.
Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P, II-16'/I, III-16'/I elektrisch
Mechanische Traktur, Elektrische Registertraktur
Vom Hauptspieltisch elektrisch anspielbar
(*) Vorhandenes Register aus dem Jahr 2001, ursprünglich der Marienorgel zugehörig liegend unter der Michaelsorgel untergebracht. Jetzt überarbeitet und aufgestellt.
(**) nicht schwellbar
(***) Einzelzug aus Coro Viole
(T III) Transmission aus dem III. Manual (Solo)
Chororgel auf der südlichen Chorempore
(Fischer+Krämer, Endingen 1990 unter Verwendung des Pfeifenmaterials und der Windladen der Rieger-Orgel von 1964) ![]()
Koppeln: II/I, II/P, I/P elektrisch Mechanische Schleifladen, aber ohne eigene Spielanlage, daher nur vom Hauptspieltisch elektrisch anspielbar. Alle 4 Orgeln sind zentral von einem elektrischen Hauptspieltisch aus zusammen und einzeln spielbar. Manualverteilung am elektrischen Hauptspieltisch:
Marienorgel: I. Hauptwerk, II. Positiv, III. Schwellwerk, IV. Brustwerk
Langschifforgel: II. Hauptwerk, III. Rückpositiv
Chororgel: I. Hauptwerk, II. Positiv
Michaelsorgel: II. Hauptwerk, III. Récit, IV. Solo
Koppeln: IV/III, IV/II, IV/I, IV/P, III/II, III/I, III/P, II/I, II/P, I/P (+Mich.O.: II-16'/I, III-16'/I)
Crescendowalze mit 4 programmierbaren Crescendi; Tutti der einzelnen Orgeln, Generaltutti
Schweller: Generalschweller, Marienorgel, Chororgel, Michaelsorgel
Setzeranlage mit 99 x 64 Kombinationen
Gesamtanlage: 144 klingende Register, 4 Transmissionen, 1 Einzelzug auf IV Manualen und Pedal
Literatur (Auswahl):
CDs (Auswahl):
Die Orgeln im Freiburger Münster
Barbara Kolberg und Klemens Schnorr spielen Werke von
Muffat, Bach, Mozart, Elgar, Jongen, Reger, Schmidt, Piechler und Schnorr
Ars Musici, 2005, SACD
- Benefiz-CD zu Gunsten des Münsterbauvereins -
Cathedral Music
Klemens Schnorr an den Orgeln des Freiburger Münsters
Werke von Langlais, Peeters, Heiller, David, Höller und Messner
Motette, 2005, 1 DVD, 1 CD
Musik & Bild - Motette Super Video Sound
Beim Abspielen auf einer DVD-Anlage erscheinen Bilder vom Freiburger Münster
Slokar Trio
Zora Slokar, Branimir Slokar, Klemens Schnorr
Werke für Horn, Posaune und Orgel
Werke von Valente, Holst, Saint-Saëns, Hannes Meyer, Crespo und Jean-François Michel
Aufnahme im Münster Freiburg i.B. Wiediscon, 2006, CD
Ludwig Doerr an den vier Orgeln des Freiburger Münsters
Werke von Bach, Mendelssohn-Bartholdy, Brahms, Liszt und Doerr Mitra Digital (CD 16 235), 1991 |
HörbeispieleGeorg Muffat (1653-1704)
Langschifforgel
Barbara Kolberg
J. S. Bach (1685-1750)
Marienorgel
Barbara Kolberg
Edward Elgar (1857-1934)
alle 4 Orgeln
Barbara Kolberg
© Ars Musici, 2005
Flor Peeters (1903-1986)
alle 4 Orgeln Klemens Schnorr
Anton Heiller (1923-1979)
Chororgel
Klemens Schnorr
Joseph Messner (1893-1969)
alle 4 Orgeln
Klemens Schnorr
Joseph Messner (1893-1969)
- Glockenspiel -
Klemens Schnorr © Motette, 2005
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