Die alte Kapelle in Freiburg-Haslach kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Und nichts kann das Fühlen und Denken unserer Altvorderen, die im Jahre 1865 diese Kapelle gebaut haben, besser darstellen als der damalige Aufruf an die Einwohner der Stadt Freiburg, mit Spenden zu helfen.
Dieser lautete folgendermaßen:
| |
Aufruf
Seit ungefähr 40 Jahren bildete sich in Haslach bei Freiburg eine katholische Bürger- und Einwohnerschaft zur Mitgemeinde, welche sich heute über die Hälfte der Gesamtseelenzahl hinaus vergrößerte. Es sind immerhin 240 bis 250 Katholiken. Ihre religiösen Wünsche und Pflichten können Sie nur in der ziemlich entfernten Pfarrei Wiehre befriedigen. Deshalb entschlossen sie sich seit geraumer Zeit zu den größtmöglichen Opfern, um eine kleine Kirche zu erhalten; sie sammelten unter sich 1.200.- Gulden und übernehmen für sich gegenseitig die Leistung der nöthigen Frohnden und Fuhrdienste. Da die Kirche auf 5.000.- Gulden zu stehen kommt, müssen sie die öffentliche Mildtätigkeit ansprechen. Der Anfang hiervon wurde bereits im Amtsbezirk nach Genehmigung gemacht und hatte den glücklichen Erfolg eines ertages von 600.- Gulden und der Schenkung von Bauholz, von Backsteinen und etwas Bruchsteinen. Unsere nächste Hoffnung richtet sich nun auf die Nachbarschaft der verehrlichen Stadt Freiburg. Mit grösstem Wohlwollen kam uns in der That das wohllöbliche großherzögliche Bürgermeisteramt dieser Stadt entgegen und erlaubte eine Hauskollekte. Hierdurch aufgemuntert, wenden wir uns freundlich bittend an die Menschenfreundlichkeit und Mildherzigkeit der Einwohner Freiburgs, uns in unserem schönen Vorhaben mit Beiträgen zu unterstützen. Der, dem das Heilighaus gebaut wird, ist ein überreicher Vergelter.
Haslach bei Freiburg, im Juli 1865
Im Namen der katholischen Mitbürger
Das Baukomite
Joseph Steinhart
Ludwig Denzlinger |
|
Aber auch die protestantischen Mitbürger standen diesem Vorhaben sehr positiv gegenüber. Der Bauplatz, auf dem unsere Kapelle steht, wurde der Gemeinde von einem wohlgesinnten Protestanten abgetreten und neben den Katholiken haben auch mehrere protestantische Mitbürger, darunter der damalige Bürgermeister, unentgeltlich Dienste geleistet.
Am 05. August 1866 konnte der damalige Pfarrverweser Biecheler in höherem Auftrag die Kapelle weihen und nach 300 Jahren erstmals wieder in Haslach Eucharistie feiern. Über 40 Jahre war unsere Kapelle dann für die Haslacher Katholiken ihr Gotteshaus.
Aufgrund der rasanten Entwicklung des Dorfes Haslach, welches an Neujahr 1890 der damaligen Hauptstadt Freiburg eingemeindet wurde,und des damit verbundenen raschen Anwachsens der Katholikenzahl war unsere Kapelle bald nicht mehr ausreichend: Am 28. Juli 1907 wurde der Grundstein für unsere St. Michaels-Kirche, allerdings noch ohne unseren markanten Kirchturm, gelegt. Deren Einweihung konnte dann am 17. Oktober 1909 gefeiert werden.
Die alte Kapelle wurde als Kirchenraum nicht mehr benötigt. Eine aufstrebende Gemeinde braucht aber Raum. Daher war es nur konsequent, dass im Herbst 1910 die alte Kapelle in einen Gemeindesaal umgewandelt wurde.
Die Entwicklung schritt jedoch weiter voran. Die Anzahl der im Stadtteil lebenden Gläubigen wuchs ständig. Verschiedene Bedürfnisse, die mit einer wachsenden Gemeinde einhergehen, konnten durch den Bau unseres Gemeindehauses erfüllt werden.
Am 28. April 1928 wurde unser Carlsbau, dem auch der Kindergarten und eine so genannte Frauenarbeitsschule angegliedert war, seiner Bestimmung übergeben.
Eine neue Nutzung für unsere alte Kapelle war auch bald gefunden. Für die Jugend konnten entsprechend der gegebenen Möglichkeiten Räume für die Buben und Mädchen unserer Gemeinde eingerichtet werden. Viele unserer älteren Mitbürger und Mitbürgerinnen erinnern sich heute noch gerne an die Zeiten, die sie im Mädchen- und Bubennest verbracht hatten.
Wie man sehen kann, hat unsere Gemeinde diese alte Kapelle, die eigentlich nur für einen geringen Teil ihres Daseins als Gotteshaus fungiert hat, immer wieder in das Leben mit einbeziehen und entsprechend nutzen können.
Die gravierendste Entwicklung trat jedoch vor rund 50 Jahren ein. Mit dem Bau unseres Kirchturmes und den damit verbundenen Jugendräumen im Turm wurde sie in den folgenden Jahren langsam aber sicher auch dieser Nutzung beraubt.
Es wurde um unsere Kapelle ruhig. Eine letzte Verwendungsmöglichkeit sah man als Lager- und Abstellraum. Eine Rumpelkammer, deren Tage gezählt zu sein schienen. Zwar fanden sich immer wieder Ideen, um dieses Gebäude zu nutzen. Sie scheiterten jedoch am Fehlen der hierfür notwendigen Mittel.
Nachdem wir unseren letzten Pfarrer Franz Josef Ehrath in den Ruhestand verabschieden mussten, stand unser Pfarrhaus leer. Es war uns schon seit längerem bewußt, dass in unser Pfarrhaus kein Pfarrer mehr einziehen wird. Es war nun unsere Aufgabe, sich darüber Gedanken zu machen, wie dieses Haus wieder mit Leben erfüllt werden konnte. Und was lag näher, als das Pfarrhaus zu einem Wohn- und Arbeitshaus umzubauen. Nicht nur, dass das Pfarrhaus wieder mit Leben erfüllt war, auch durch die damit verbundenen Mieteinnahmen hatten wir den Grundstock zur Finanzierung der gesamten Umbaumaßnahmen, nicht nur des Pfarrhauses, sondern auch unserer Kapelle.
Die Planungen für die Kapelle begannen mit einem Gespräch Pfarrer Vogels mit unserem Architekten, Herrn Stefan Ruch, noch während der Umbauarbeiten unseres Pfarrhauses. Ein Grobentwurf zeigte uns bereits im Frühstadium vielfältige Nutzungsmöglichkeiten auf. Der Stiftungsrat und der gesamte Pfarrgemeinderat waren von Anfang an begeistert.
Durch den Ausbau der Kapelle als Pfarrbüro könnte doch dieses altehrwürdige Gebäude wieder einer kirchlichen Nutzung zugeführt werden. Viele weitere Ideen kamen hinzu, ein Saal für Veranstaltungen in kleinem Rahmen, ein kleines Cafe für den sonntäglichen Frühschoppen nach dem Gottesdienst.
Der Mensch denkt und Gott lenkt:
Ein Gespräch zwischen Pfarrer Vogel und Herrn Engler, dem Vorstand des Caritasverbandes Freiburg, brachte den Gedanken auf, dieses Cafe ständig zu betreiben. Die Pfarrgemeinde St. Michael ist den Einrichtungen der Caritas in unserem Stadtteil schon immer eng verbunden. Was liegt dann näher, als Behinderte hier mit einzubinden und ihnen dadurch zu helfen, auf ihre weitere Zukunft gut vorbereitet zu werden.
Solche Maßnahmen können jedoch nur in einer lebendigen Kirchengemeinde realisiert werden. Wie auch schon in der Vergangenheit spürten wir das Interesse und den Rückhalt unserer Haslacher Bevölkerung für diese nicht immer einfache Maßnahme.