"Kompetenzteams" ist eine Vokabel, die ab 2026 neu im katholischen Wortschatz auftaucht. Mit ihnen haben sich die pastoral tätigen Hauptamtlichen an ihrer Juni-Konferenz in Ludwigshafen beschäftigt und „angeregt“ diskutiert. Aus dieser lebhaften Regung heraus kam dann plötzlich alles anders: wie die Denkrichtung eine 180-Grad-Wende nahm.
Die Kompetenzteams
Die sogenannten Kompetenzteams irritieren viele Ohren schon durch ihren etwas elitären Namen. Der aber wird entsprechend der Vorgaben der Erzdiözese einheitlich so bleiben. In diesen Kompetenzteams also, bestehend aus Haupt- und Ehrenamtlichen, sollen die Handlungsfelder in Pastoral Bildung und Caritas künftig organisiert sein. Anders, so der Gedanke, wären die größeren Räume – also auf dem ganzen Stadtgebiet Freiburgs plus Gundelfingen, Au, Wittnau und Horben - kaum noch organisierbar, wenn es kein Gremium gäbe, bei dem die inhaltlichen Fäden zusammenlaufen. Konkretes Beispiel: Ein zentrales „Kompetenzteam Erstkommunion“ für die neue Pfarrei hat dann die verschiedenen Feiern, Vorbereitungen, Personaleinsätze und Termine für ganz Freiburg zentral im Blick und koordiniert sie. Das ergibt Effizienz und Synergien. So weit, so klar.
Welche Kompetenzteams soll es geben?
Mit der Zahl 16 war eingangs der Ludwigshafener Konferenz eine recht stattliche Nummer aufgerufen: Diese 16 bildeten in etwa die Zahl der Themengruppen ab, die auch an der Redaktion der Gründungsvereinbarung mitgewirkt hatten: Von Erstkommunion und Ehe über Kita-Pastoral und Kranke Menschen bis hin zu Bildungsarbeit, Inklusion und Bewahrung der Schöpfung war quasi alles dabei. Das Feld schien gut bestellt.
Ein Einwand zur rechten Zeit
Aber: „Wo bleibt denn da das Potential zur inhaltlichen Weiterentwicklung?“, lautete alsbald eine kritische Frage aus dem Plenum dazu. „Wenn wir hier thematisch nur festzurren, was wir immer schon genauso gemacht haben, dann geht uns doch jede Innovationskraft verloren! Ist 2030 nicht dafür da, die Dinge anders zu denken?“
Kein „Weiter wie bisher“
Tatsächlich: Ein „Weiter so“ im Sinne eines Entlanghangelns an den Sakramenten sei wahrlich nicht genug, das war rasch die vorherrschende Meinung der knapp 50 Anwesenden aus allen Freiburger Kirchengemeinden. Statt 16fach nebeneinander zu planen, sollte doch besser in einigen wenigen Teams enger verzahnt gearbeitet werden. „Statt vier verschiedener Kompetenzteams zu Taufe, Erstkommunion , Kita-Pastoral, Familie und Kinder wäre es doch sinnvoller, all dies in einem übergeordneten Kompetenzteam Familie zusammenzufassen“, lautete eine Forderung. Ebenso: „Wie zielführend ist es, die Kompetenzteams Jugend, junge Erwachsene und Firmung zu trennen, wo doch jeder Teilbereich eng mit den anderen zusammenhängt?“ Stattdessen wäre es ja denkbar, hier miteinander zu arbeiten, um beispielsweise die Gefirmten nach dem Sakrament nicht wieder zu verabschieden, sondern direkt im Anschluss passgenaue katholische Angebote für sie, die jungen Erwachsenen, zu entwickeln.
Was nach dem Rotstift blieb
Die Idee, beherzt mit dem Rotstift über die Kleinteiligkeit der Teams zu gehen, wurde entsprechend weiterverfolgt und fand letztlich eine große Mehrheit in der Verabschiedung. Die Empfehlung der Hauptamtlichen-Konferenz lautet demnach, nur noch vier Kompetenzteams einzurichten, nämlich zu den
Themen: 1. Familie 2. Jugend 3. Erwachsene 4. Krankheit und Lebensende (dies ist nicht der endgültige Name, sondern nur ein vorläufiger Arbeitsbegriff).
Nicht in Stein gemeißelt
„Natürlich ist auch das nicht in Stein gemeißelt, es können jederzeit neue Kompetenzteams dazukommen und andere verändert werden, darüber entscheidet künftig der Pfarreirat“, erläuterte Dekanatsreferentin Dr. Ruth Scholz. Der Fokus liege zunächst nur auf den nächsten zwei Jahren. „Dennoch waren wir gehalten, bereits heute eine grobe Planung hierzu bei der Erzdiözese einzureichen.“
Offenbleiben musste die Frage, wer und wie man in Kompetenzteams berufen wird. Auch, ob man in keinem mitarbeiten muss oder aber an mehr als einem teilnehmen darf. Und was passiert, wenn alle in dasselbe Team wollen? Gibt es einen klar definierten Auftrag? Wer entscheidet über die jeweilige Höhe und Verwendung des Budgets?“
Neudeutsch: der Spirit
Trotz all dieser Fragezeichen im Detail war ein „Spirit“ – der Heilige Geist? - im Raum aber spürbar, ja fast schon eine Dankbarkeit, dass man die Kurve kurz vor dem reinen Bewahren des Ist-Stands nun noch bekommen hatte. Die innovative Lösung fand daher nach circa einer Stunde – also in katholischer Lichtgeschwindigkeit - eine überwältigende Mehrheit.
„Ich freue mich darauf!“, „Es ist ja toll, wenn nicht mehr jeder alles machen muss“ und „Eigentlich sollten wir damit schon 2025 anfangen“ waren Rückmeldungen aus dem Plenum. Und eine, die für den Spirit gerade exemplarisch spricht: „Eigentlich sollten wir schon 2025 damit anfangen, nicht erst 2026.“
Kirchorte
Künftig wird auch der Begriff "Kirchort" auftauchen - und das sind nicht Kirchen. Oder jedenfalls sind sie es in der Regel nicht. Stattdessen muss man sich vom Bild des Kirchturms freimachen und Orte denken, die sich pastoral sozusagen spezialisiert haben: Dort werden bestimmte Gruppen angesprochen oder spezielle Veranstaltungsformen angeboten. Beispiele dafür sind in Freiburg das c-punkt Münsterforum, das Mehrgenerationenhaus EBW in Freiburg-Weingarten und das Heinrich-Hansjakob-Haus in der Talstraße.
Kontaktflächen
Unter Kontaktflächen fallen Gruppen und Initiativen, die in den unterschiedlichsten Formen Kontakte für Menschen mit Glauben ermöglichen, ohne dass sie Gemeinde oder Kirchorte sind. (Aber sie können sich dazu entwickeln.) Dabei kann es sich um eine Gebetsinitiative oder um Familienkreise handeln oder um Menschen, die sich zusammentun, um Hilfsangebote auf die Beine zu stellen oder etwas Neues auszuprobieren.
Gemeindeteams
Sie sind keine neue Vokabel und gehören weiterhin zum Grundwortschatz auch der neuen Pfarrei. Gleichwohl bedarf es auch bei ihnen noch weiterer Detailklärungen. Festzuhalten ist, dass sie im Organigramm der neuen Strukturen schon rein optisch eine zentrale Position innehaben: