Ein neues Muster mit vier Feldern

Seelsorge in der neuen Kirchengemeinde

Es ist eine der herausragendsten Änderungen für die Kirchengemeinde Freiburg i.Br. ab 2026: Die Mitarbeitenden haben sich bereits selbst in vier große thematische Arbeitsfelder eingeteilt. 

 
Das Konzept der vier Felder
Um es salopp zusammenzufassen: Künftig wird nicht mehr achtmal (Anzahl der heutigen Freiburger Kirchengemeinden) oder gar 30mal (Anzahl der Pfarreien) separat gearbeitet, sondern zusammen in einem großen Team aus allen Hauptamtlichen. Diese setzen sich zusammen aus den bislang acht Seelsorgeteams - Gemeindereferent*innen, Pastoralreferent*innen, Priester, Diakone - sowie den Mitarbeitenden der Kategorialseelsorge (Klinikseelsorge, Hochschulseelsorge, c-punkt, Jugendseelsorge), jenen in der Telefonseelsorge, Gefängnis- und Flüchtlingsseelsorge, Seelsorge in der Psychiatrie sowie den Mitarbeitenden der Psychologischen Beratungsstelle und den muttersprachlichen Gemeinden.
 
Mittlerweile hat sich bereits jede und jeder pastorale Mitarbeitende selbst einem der vier definierten Kompetenzfelder zugeordnet, in dem er/sie  mitarbeiten will. Die Felder sind folgendermaßen aufgeteilt:
 
1.  Familie (z.B. Taufe, Kitas, Schulen, Erstkommunion, Familienangebote)
2.  Jugend und junge Erwachsene (z.B. Jugendarbeit, Firmung, Schulen, junge Erwachsene, Studierende)
3.  Erwachsene (z.B. in Beziehungen leben, Kultur, Erwachsenenbildung, Spiritualität, Senioren)
4.  Krankheit und Lebensende (z.B. Kranke, Sterbende, Beerdigungen, Trauer)

Diese Neusortierung wurde von allen gemeinsam beschlossen und auch in der Gründungsvereinbarung der neuen Kirchengemeinde festgehalten. Doch wie funktioniert das praktisch bei rund 85 hauptamtlichen Mitarbeitenden zwischen Kappel und Waltershofen, Gundelfingen und Horben? "Die meisten kennen sich tatsächlich untereinander schon, wir treffen uns ab 2025 aber auch häufiger, um noch enger zusammenzuwachsen", erläutert Ruth Scholz, die zusammen mit Dompfarrer und Dekan Alexander Halter die Projektkoordination leitet. 
 
Vorteil Nummer Eins: Synergien nutzen – Ressourcen bündeln
Warum x-mal das Rad neu erfinden, wenn man es zusammen für die ganze neue Kirchengemeinde tun kann? Das jetzt angestoßene Felderkonzept kam bei der Firmvorbereitung 2024 schon probeweise zum Einsatz: Motiviert von der Vorstellung, künftig könnte der Vorbereitungsweg zur Firmung für alle Jugendlichen in Freiburg nach einem vergleichbaren Muster beworben und durchgeführt werden, hatten sich die drei Kirchengemeinden (St. Georgen-Hexental, Südwest und Nord) seinerzeit  zusammengetan und gute Erfahrungen gesammelt: Über das ganze Gebiet des Dekanats verteilt, durften sich die angemeldeten Firmand*innen ihr Vorbereitungsprogramm selbst zusammenstellen: Ganz nach persönlichem Interesse konnten sie sich über eine eigens erstellte Website für die Freiburger Firmvorbereitung zu unterschiedlichen Veranstaltungen anmelden: Vom SC-Besuch ("Was motiviert mich, was macht mich stark?") über Hüttenwochenenden, Online-Diskussionen zu Glaubensfragen und Kirchenkritik, Meditationsübungen und Vorträge bis hin zum gemeinsamen Basteln und Backen.
 
Solch ein vielfältiges Angebot hätte die teilnehmenden Kirchengemeinden jede für sich personell und organisatorisch überfordert. So aber setzte sich ein Team aus sieben hauptberuflichen Personen zusammen und nahm das gezielt in die Hand.  Nicht zu unterschätzen: Gerade für junge Leute ist es attraktiv, wenn sie Gleichaltrige vom anderen Ende der Stadt kennenlernen. Außerdem sind es Jugendliche gewohnt, wegen Schule oder Hobbies durch die Stadt zu fahren. Mit viel positivem Feedback von den frisch Gefirmten geht es nun ans Feintuning für 2026. Natürlich fließen die guten Erfahrungen des Zusammenarbeitens auch in das gemeinsame Firmkonzept für die Stadtkirche ein.

Vorteil Zwei: Übergänge schaffen, Lebensphasen neu definieren
Der/ die Jugendliche kommt nach der Firmung aus der Kirchentür - und jetzt?
Nun passgenaue Angebote zu schneidern, um jungen Erwachsenen weiterhin eine attraktive Andockmöglichkeit in der Kirche zu bieten, gelang in der Vergangenheit nicht immer strukturiert. Es ist eine große Chance, im Kompetenzfeld "Jugend und junge Erwachsene" für solche Zeiten des Übergangs gemeinsam Ideen zu entwickeln, damit sich junge Menschen auch nach ihrer Teenagerzeit noch von Kirche angesprochen fühlen. Mit der abgeschlossenen Firmung sollen sie nicht in eine "Leerstelle" fallen, die sich bislang oft dann auftat, wenn man aus dem Ministrantendienst, den kirchlichen Gruppenstunden und eben der Firmvorbereitung alterstechnisch schon herausgewachsen war. Im Team für ganz Freiburg ist es besser leistbar, hier den Hebel anzusetzen und mal etwas Neues zu entwickeln.

Alles rosig?
Dennoch gibt es auch Kritik am Vier-Felder-System seitens der Hauptamtlichen: etwa die Befürchtung, "kleinere" Themen aus den Augen zu verlieren, die nicht einem Sakrament zuzuordnen sind oder typischerweise einer Lebensphase zugehören. Und auch die Notwendigkeit, dass sich Hauptberufliche nur einem einzigen Kompetenzfeld zuordnen müssen, obwohl sie auch andere Neigungen und Interessen haben.

Erstmal anfangen - und dann Bilanz ziehen
"Diese Kritikpunkte sind berechtigt, und wir werden sie im Hinterkopf behalten", erklärt Projektkoordinatorin Ruth Scholz. "Gleichzeitig geht es aber jetzt erst einmal darum, mit dem großen Team in einen Arbeitsmodus zu finden: Wie organisieren sich die Kompetenzfelder, wie verständigen sie sich untereinander, wie mit den anderen Teams, wie wissen wir umeinander?" Möglicherweise müssten auch noch weitere Unterteams gebildet werden. Die Gratwanderung ist klar: "Wir sollten manche Themen priorisieren und dürfen andere Themen darüber nicht vergessen". In Stein gemeißelt ist jedenfalls noch nichts: "Bis Ende 2025 wollen wir Erfahrungen sammeln, wie es am besten gehen kann", so Ruth Scholz.